Miroljub Dimitrijevic
geboren am 29.9.1948 in Trnjani
gestorben am 21.7.2007 in Wien

Schon im sechsten Lebensjahr stand er das erste mal auf einer Bühne. Diese Sucht ließ ihn nicht mehr los. Mit 15 Jahren spielte er schon größere Rollen im Theater der Jugend in Nis, wo er den Beruf eines Graphikers und Schildermalers erlernte. Mit 17 Jahren übernahm er die erste große Hauptrolle in dem Stück „Der Schüchterne und Einsame“ von Erwin Show. Als Hauptdarsteller im Zweipersonenstück „Hleb“ („Das Brot“) bekam er den ersten Preis in Südserbien und wurde als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet. Mit 17 Jahren gründete er eine Freie Gruppe und mit seinem Stück „Die Ausreißer“ trat er mit großem Erfolg in zwölf umliegenden Dörfern auf. Das führte zu einem Generationenkonflikt durch die kommunistische Diktatur und die freie Gruppe wurde von den Kommunisten verboten. Enttäuscht vom kommunistischen System kam er 1967 nach Wien. Kaum ein Wort Deutsch sprechend besuchte er das Burgtheater wo er ein Stück von Shakespeare – „König Lier“, weil er das kannte – sah. Unter dem starken Eindruck dieser Aufführung beschloß er noch in der Pause selbst ein Theater zu gründen. Ein Theater für Menschen die wie er emigriert waren und kaum Deutsch verstanden – ein Theater für Gastarbeiter. Um zu überleben, begann er im Gastgewerbe als Tellerwäscher zu arbeiten. Er blieb diesem Gewerbe treu und arbeitete sich nach und nach zu gehobeneren Positionen empor und war zwei Jahre persönlicher Kellner von Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky bis er schließlich ein eigenes Restaurant eröffnen konnte. Als erster Gastarbeiter machte er 1982 die Konzessionsprüfung für das Gastgewerbe. In dieser Zeit schrieb er neben seinem anstrengenden Beruf mehrere Theaterstücke.

Ab 1985 widmete er sich ganz dem Theater und gründete eine Freie Gruppe. Mit seinem „YU-Theater“ inszeniert er an verschiedenen Orten mehrsprachige Stücke und veranstaltete satirische Kleinkunstabende über die Probleme der Gastarbeiter. Das Interesse des Publikums war sehr groß. Er sah sich seinem Ziel näher kommen. Durch den Verkauf seines Restaurants im 18. Bezirk und seinem Haus in der Lobau finanzierte er den Aufbau seines eigenen Theaters. 1990 war es soweit: Das erste europäische Gastarbeitertheater nahm in Wien-Mariahilf den Betrieb auf.

Es wurde dort in deutscher und serbokroatischer Sprache gespielt. Dieses neuartige Projekt fand große Resonanz beim Publikum und wurde vom Kulturamt der Stadt Wien großzügig unterstützt. Als 1991 die politische Krise in Jugoslawien ausbrach, wurde das ursprüngliche YU-Theater in „Interkulttheater“ umbenannt. In dieser Zeit entstanden mehrere Theaterstücke, so  unter anderem „Gefängnis ohne Gitter“, „Adler mit gebrochenen Flügeln“, „Vulkan“. Letzteres Stück wurde in seiner Regie simultan auf Deutsch und Serbokroatisch gespielt. Weiters entstanden die Stücke „Das Telegramm“, „Ein Gastarbeiter namens Shakespeare“, „Das Visum“, „Roter Nebel“, „Sonne im Keller“.

Als Schauspieler war er in 18 TV-Rollen und in drei Filmen zu sehen. Unter anderem in so erfolgreichen TV-Serien wie „Kaisermühlenblues“, „Die liebe Familie“, „Tatort“, „Wenn das die Nachbarn wüssten“ und „Der Weißenthaler“. Im Theater „Forum“ stellte er das Einpersonenstück „Gefängnis ohne Gitter“ vor. Selbstverständlich war er auch im eigenen Theater als Schauspieler tätig. Zuletzt war er von November 1991 bis Juli 1992 im Theater in der Josefstadt für die Rolle des Rittmeisters Mikovic engagiert.

Von Bekannten und Freunden öfters auf seine Ähnlichkeit mit Peter Falk angesprochen begann er zuerst aus Spielfreude eine Inspektor Columbo Parodie einzustudieren. Seine Auftritte fanden ein derartiges Echo, dass er sich entschloss daraus eine neue Form des Stehgreifspiels in Interaktion mit dem Publikum zu kreieren. Seit 1999 trat er damit in Wiener Szene Lokalen und bei privaten und offiziellen Veranstaltungen auf. Inzwischen hatte er auch drei Kabarettprogramme geschrieben.

Mischa Dimitrijevic starb am 21.7.2007 nacn schwerer Krankheit in Wien.